Zero Waste im Büro

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Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Zero Waste im Büro? Was braucht es um Arbeit ökologischer zu gestalten? Geht Bürokratie auch in zero waste? Ist das papierlose Büro ‘schon’ alles? Was kann ich alleine bewirken, wenn die Masse noch an den alten Mustern hängt? Oder, wie motiviere ich, gemeinsam Büroarbeit neu zu denken?

In Büros werden Papier, Stifte und Tacker benutzt. Welches Papier und wie viel? Es wird kopiert, gescannt und gedruckt, telefoniert, gemailt und Post verschickt. Es werden Sms getippt, Apps verwendet, Daten archiviert. Jedes Büro braucht Strom, ausreichend Licht und ein gutes Raumklima. Was bringen Architektur und Haustechnik mit? Zwischendurch wird gegessen und getrunken, Pause gemacht. Bürostühle, Schreibtische und Mülleimer gehören zur Standardeinrichtung und je nach Bereich gibts n Dresscode. Wo kriegt man das alles in ‘nachhaltig’? Es werden Meetings anberaumt und es stehen Geschäftsreisen an. Sanitäranlagen und eine Teeküche findet man in jedem Büro. Dann wären da noch die Finanzen, Versicherungen, die Büroreinigung, die digitale Nahchaltigkeit, sinnvolle PC-Voreinstellungen, … und Überlegungen zur Mobilität.

Viele Kleinigkeiten sind in der Masse maßgeblich für den Schutz der Natur, Verbrauch und Wiedergewinnung von Ressourcen und die Lebensqualität von Menschen; gedacht von der Materialgewinnung, über die Verarbeitung und den Handel, hin zur Verwendung, zum Verbrauch und Weiterverwertung.

Aus reinem Eigennutz wurden in den letzten Jahren meine gespeicherten Artikel zum Thema ‘Zero Waste im Büro’ mehr, die ToDo-Liste zur Verbesserung meiner eigenen Arbeitsweise länger. Mit dem Interview zum Thema ‘Nachhaltigkeit im Büro’ mit der dpa wurde aus der losen Textsammlung dieser Beitrag. So verschieden Büros sein können, ich freue mich, wenn auch für Euren Bedarf etwas dabei ist.

Der kurze Weg per Link zu den Beitragsthemen:
Papierbedarf, Schreibtischutensilien, Versand, Strom, Web-Dienste und Voreinstellungen, Präsentation, Büroeinrichtung, Raumklima, Sanitäranlagen, Büroreinigung, Teeküche und Mittagspause, Müllvermeidung und EntsorgungBüroeinkaufMobilität, Geschäftsreisen, Eventplanung, Berufsbekleidung, das Unternehmen und der/die Einzelne.

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Papierbedarf und Alternativen 

Pro Jahr liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei ca. 250 kg Papier und damit ist Deutschland im weltweiten Vergleich nach China, Japan und den USA auf Platz vier. Der Einsatz von Altpapier stieg von 1990 mit 49% Altpapier auf 75% im Jahr 2016. Sehr gut, denn mit der Nutzung von Altpapier werden Holz-, Wasser- und der Primärenergieverbrauch gesenkt. Der steigende Papierkonsum relativiert das jedoch. Ebenso die immer öfter verunreinigenden Druckfarben, Kleb- und Papierhilfsstoffe, die die Recyclingfähigkeit beeinträchtigen. Die Senkung des Papierverbrauchs ist also unumgänglich, das papierlose Büro das hehre Ziel. Ich bin gespannt, wann Ämter es ermöglichen, in meinem Fall ‘Bauämter’, all die Berge von Papier mit Anträgen, Berechnungen, Nachweisen, Plänen, … digital einzureichen, weiterzuleiten und zu bearbeiten.

  • Was kann ich digital erledigen: lesen, schreiben, ausfüllen, versenden?
  • Was bedarf einer Ablage in Papierform, was kann digital erfolgen?
  • Lassen sich meine Notizen mithilfe verschiedenster Programme und Apps digital notieren, Termine, ToDo? Der Rechner, das Handy ist in der Regel eh an.
  • Papier, wenn zweckgebunden möglich, beidseitig bedrucken.
  • Die Rückseiten von alten Dokumenten oder Fehldrucke als Schmierpapier nutzen.
  • Druckqualität am Drucker einstellen, für Texte braucht es nicht die Druckleistung wie für Fotos.
  • Geschreddertes Papier durch Aktenvernichter zum Verpacken nutzen.
  • Weihnachtsgrüße persönlich ausrichten oder digitale Weihnachtspost versenden statt Massendrucksachen per Post.
  • Statt Visitenkarten gegenseitig auszutauschen, mit der Handykamera fotografieren und digital zuordnen.
  • Werbung die ungebeten im Briefkasten, Fax oder im E-Mail-Postfach landet abbestellen.

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Utensilien am Schreibtisch

  • Auffüllbare Stifte mit Patronen- oder Minenwechsel nutzen: Druckbleistifte, Füller (Tintenfass).
  • Buntstiftmarker statt Textmarker aus Kunststoff.
  • Faserstifte auf Wasserbasis zum Wiederbefüllen.
  • Stiftverlängerungen erhöhen die handliche Nutzungsdauer von Einwegstiften (Blei- und Buntstifte). Siehe 1. oder letztes Foto im Beitrag.
  • Radierer auf Naturkautschuk-Basis wählen oder Kunststoffradierer ohne PVC.
  • Lösungsmittelfreie Kleber auf Wasserbasis, möglichst nachfüllbar, verwenden.
  • Bei Tackerbedarf: Für bis zu 10 Blatt Papier reichen Tacker ohne Tackerklammern. Siehe Foto oben.
  • Trennblätter, Ordner, Mappen, Heftstreifen, etc. aus 100% recyceltem Papier verwenden. Trennblätter lassen sich aus Altpapier/-karton schneiden.
  • Umweltfreundlichere Druckerpatronen verwenden, z.B. wiederverwendbar, auffüllbar.
  • Reycling von Stiften über die Plattform Terracycle, vielleicht ist eine Abgabestelle in Eurer Nähe!?

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Versand organisieren

  • Was lässt sich digital versenden statt postalisch? Ein Briefversand verbraucht bspw. doppelt so viel CO2 wie eine Mail.
  • Maximal mögliche Wiederverwendung von Briefcouverts, Versandtaschen und Kartons. Bei Bedarf: Mit einem kleinen Hinweis auf Umweltschutz wird ein möglicherweise missverstande mangelnde Wertschätzung aufgrund gebrauchter Sachen, zu geschätztem Umweltbewusstsein.
  • Zum Paketversand statt Luftpolsterfolie alte Zeitungen/Zeitschriften und Fehldrucke ohne datenschutzrelevante Informationen nutzen.
  • Packbänder aus Papier oder PVC-freiem Kunststoff wählen.
  • Briefumschläge ohne Fenster bevorzugen, Aufwand der getrennten Entsorgung meiden.
  • Briefmarken zum Selbstbefeuchten den selbstklebenden auf Trägermaterial vorziehen.
  • Versandanbieter nach Klimaneutralität und/oder CO2-Ausgleich wählen.

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Strombedarf und Einsparmöglichkeiten

Der Gesamtstromverbrauch ist in Deutschland 10 % höher als noch vor 20 Jahren. Um diese Menge auf einem Hometrainer zu erzeugen, müsste man 3.075 Tage lang in die Pedale treten. Eine umweltfreundliche Gestaltung von Produkten soll dem auf der Grundlage der Ökodesign-Richtlinie und einer erweiterten Energieverbrauchskennzeichnung entgegenwirken. Was gibt es zu Zero Waste im Büro außerdem zu tun?

  • Aktivierung der Energiesparfunktion an Geräten die das anbieten.
  • Multifunktionale Geräte wählen, bspw. ein Drucker, der auch kopiert, faxt und scannt und die gemeinsame büroraumübergreifende Nutzung.
  • LED-Lampen als Leuchtmittel sind Glühbirnen und quecksilberhaltigen Energiesparlampen vorzuziehen. Wichtig: Darauf achten, dass die LED’s in Lampen, etc. austauschbar und nicht fest verbaut sind.
  • Licht aus, wenn keiner im Raum ist, Bewegungsmelder sparen Strom, sinnvoll für z.B. Flure, Lager, Archiv, WC… Wenn die Nutzertaktung sehr hoch ist, kann die Rechnung kippen und es macht Sinn, das Licht nur ein mal am Tag bei zu wenig Tageslicht ein- und wieder auszuschalten.
  • Treppe nutzen statt Aufzug.
  • Heizung und Klimaanlagen je nach Wetter abschalten/drosseln, nach Feierabend sowieso.
  • Geräte zum Feierabend runterfahren, Standby meiden.
  • Mehrfachsteckdosen nutzen und mehrere Geräte gleichzeitig ausschalten.

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Web-Dienste und Voreinstellungen an Computern und Smartphones 

Der Anteil der Internetbereitstellung und -nutzung am weltweiten Energiebedarf wird auf ca. 2% geschätzt (von einer Steigerung ist auszugehen). Er ist also jetzt schon mit dem Energieverbrauch des weltweiten Flugverkehrs vergleichbar.

  • Hier ist eine umfassende Sammlung zu jeglicher Kategorie digitalen Arbeitens – sozial und ökologisch nachhaltige Produkte und Services, als Alternative zu Google & Co.: Browser, Suchmaschinen, E-Mail, Analytics, Web-Hosting, Office-Tools, Massaging, File Sharing, Mobile Apps, Kalender, Übersetzung, Streaming, etc.
  • Design und die Funktionalität einer Website sind entscheidend für den Stromverbrauch. Klimaneutrales Webdesign, optimierte Ladezeit, besseres Ranking in Suchmaschinen, … und Kompensation verbleibender CO2-Emissionen, dabei gilt: Vermeiden vor Ausgleichen.
  • Klimaneutrales Hosting: Zum Betreiben einer Website einen Provider wählen, der mit reinem Ökostrom läuft.
  • Mailing: Zum groben Vergleich, eine Mail verbraucht 10 Gramm CO2, ein Brief 20g. Besser mit Bedacht eine lange Mail schreiben mit Infos, offenen Punkten, etc., als viele kurze.
  • Voreinstellung: Signaturen, Fotos, Anhänge in Mails minimal halten (beim Antworten, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, nicht wieder mitschicken, raus löschen).
  • Unterhalten von Datenservern: alte Mails löschen oder offline archivieren.
  • Das Reduzieren aufs Wesentliche beim Versenden von Fotos und Videos per Mail, WhatsApp, Threema, etc. spart Strom (und nicht selten Nerven). (Nebeninfo: Die Nutzung von Whatsapp ist beruflich nicht datenschutzkonform.)
  • Schwarze Hintergründe, ob am Rechner oder mobil verbrauchen weniger Strom als helle Farben. Das gilt für OLED-Bildschirme. Klassische LCDs verbraucht die Hintergrundbeleuchtung den größten Teil des Stroms, insofern hat lediglich die gewählte Helligkeit einen Einfluss auf den Stromverbrauch und nicht der dargestellte Inhalt.

Wichtig! Neben dem Energieverbrauch spielt, wie im realen Leben, auch beim digitalen Handeln die Nachhaltigkeit eine bedeutende Rolle. Hier herrscht noch viel Unwissenheit und mangelnde Konsequenz (so auch bei mir). Hier, ein Einstieg in das nachhaltige Handeln in der digitalen Welt, ein Beitrag von Metamine mit Wissensvermittlung und praktischen Hilfestellungen.

Organisiation von Präsentationen

  • Multifunktion: Whiteboard für Schrift und Magnet, müllfreie oder nachfüllbare Stifte.
  • Energieeffizienter Beamer
  • Alternative zum Handout: digitale Weitergabe per Pdf. 

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Die Wahl der Büroeinrichtung

  • Der Secondhandkauf ist dem Neukauf vorziehen.
  • Beim Neukauf ist neben bedeutenden ergonomischen und arbeitsökonomischen Aspekten, auf Materialien zu achten. Diverse Substanzen sind zu vermeiden, die z.B. Formaldehyd in die Atmosphäre abgeben. Nachhaltige Möbelhersteller und Anbieter (Bsp. Grüne ErdeMemo) achten weitestgehend auf die Parameter der Nachhaltigkeit (Herkunft, Ressourcenaufwand, Sozialstandards, etc.). Siegel wie Blauer Engel, FSC sind erste Hinweise.

Wer es genau nehmen möchte mit Zero Waste im Büro, kommt meiner Erfahrung nach um Recherche und genaues Nachfragen nicht drumrum. Titulierungen wie ‘nachhaltig, eco, green, fair’  sind ungeschütze Begriffe und werden inflationär und bewusst irreführend verwendet. Auch als Ökomarken bekannte Möbelhersteller, verwenden mitunter althergebrachte Materialien (erdölbasierenden Kaltschaum als Polsterung, etc.), die heutzutage durch nachhaltigere ersetzt werden können (Bsp. Grüne Erde). Die Auflistung verschiedener Siegel, teils  von Hersteller:innen selbst erstellt, kann ebenso mehr der Werbewirkung dienen als dem tatsächlich gewünschten Umweltschutz. Die bekannten großen Siegel decken lediglich partiell Bereiche des Nachhaltigkeitsgedanken ab und weisen inhaltlich Lücken auf (Beispiel: Doku über das FSC-Siegel) hinsichtlich der Gesamtheit aller Aspekte: Ökologie, Ökonomie, Soziales.

Schaffen eines angenehmen Raumklimas

  • Natürliche Lüftung spart Kosten, fördert die Behaglichkeit und ist in unserem Lebensraum psychologisch besetzt mit ‘Fenster auf = frische Luft’.
  • Pflanzen unterstützen eine ausgeglichene Luftfeuchtigkeit und damit die Behaglichkeit (Zimmerlinde, Papyrus-Pflanzen, Nestfarn, Zypergras, Grünlilie, usw.).
  • Gegen Hitze im Sommer hilft Quer-Lüften in den Morgenstunden, Fenster und Türen in den heißen Stunden schließen, Verschattung gegen direkte Sonneneinstrahlung, kühle nasse Tücher auf der Haut oder ein kaltes Fußbad (Wanne/Eimer unterm Schreibtisch).
  • Saisonal eingesetzte Ventilatoren verbrauchen insgesamt deutlich weniger Energie als Klimaanlagen mit Kühlmitteln und immensem Stromverbrauch.

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Die Sanitäranlagen

  • An Handwaschbecken kann energieeinsparend auf Warmwasser verzichtet werden (Vorrichtung).
  • Feste Seifenstücke statt Flüssigseife, alternativ auffüllbare Flüssigseifenspender wählen, auffüllbar im Unverpacktladen oder von bestellten größeren Containern.
  • Zum Trocknen gewaschener Hände, Handtücher statt Papier bereitstellen, ob eins für alle (in kleinen Büros) oder kleine Handtücher zu Einmalnutzung. Falls das nicht möglich ist, sind Stoffhandtuchrollenspender die Wahl (austauschbare und wiederverwendbare Handtuchrollen) oder Hochdruckgebläsetrockner.
  • Recyceltes Toilettenpapier kaufen.

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Büroreinigung

  • Umstellung auf wenige Hausmittel die jedes Putzmittel ersetzen, spart Müll, Kosten, schont die Umwelt und Gesundheit: Essig, Soda, Zitronensäure. Bei Bedarf ergänzend: Natron und pflanzliche Bio-Kernseife.
  • Büroreinigung an Firmen vergeben, die mit Putzmitteln und Arbeitszeug entsprechend nachhaltiger Kriterien arbeiten. Beispiel in Berlin passend zu Zero Waste im Büro: Klara Grün.
  • Reinigungsmittel in Mehrwegbehältern in Unverpacktläden nachfüllen oder per Bestellung größere Container zum Abfüllen ordern.
  • Spülbürste mit austauschbarem Bürstenkopf wählen.
  • Verzicht auf Einweg-Küchentücher, waschbare Lappen bereitstellen.

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Zero Waste Pausensnack

  • Fairgehandelter Kaffee z.B. von einem lokalen Röstereibetrieb kaufen statt überteuerten müllverursachendem Kapselkaffee wählen, wenn dann mit wiederverwendbaren und nachfüllbaren Kapseln. Mindestens ‘Fair Trade’, besser ‘Direct Trade’.
  • Losen Tee in Bioqualität einzelnen Teebeuteln vorziehen.
  • Großpackungen kaufen und auf einzeln verpackte Kekse o.ä. verzichten.
  • Wasserspender mit Einwegbechern und Wasser aus Einwegflaschen meiden. Auch für die zwar bessere Alternative der Mehrwegflaschen, gibt es eine umweltschonendere Lösung: Wasser aus der Leitung trinken, ggf. mit Aufsprudler, das spart Kosten, Zeit, Beschaffungsaufwand und Ressourcen.
  • Zucker und Milch (im besten Fall pflanzliche Kuhmilchalternativen, Bsp. Hafermilch (regional)) frisch bereit stellen, nicht in Kleinportionen einzeln verpackt.
  • Stoff- statt Papierservietten anbieten.

Zero Waste Mittagspause

  • Selbst Gekochtes und Reste vom Vortag sind einzeln verpackten Fertigprodukten vorzuziehen.
  • Gemeinsam kochen in der Bürogemeinschaft ist in manchen Unternehmen eine machbare und dabei sozial förderliche Variante.
  • Obst und Rohkostgemüse lässt sich in den meisten Lebensmittelgeschäften und erst recht auf Märkten lose kaufen, vorzugsweise saisonal in mindestens Bio-Qualität aus regionalem Anbau.
  • Wenn man einmal weiß wie, lässt sich Zero Waste unterwegs ganz leicht umsetzen. Mit Mehrwegdose zum Imbiss, inkl. Besteck und Stoffserviette von daheim, statt auf Einweggeschirr, Papierserviette und Plastikbesteck zurückzugreifen.

Die nachhaltig geführte Kantine

  • 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland im Müll. Weitere Inform,ationen und Tipps sind dem Bericht ‘Lebensmittelverschwendung | welche Gemüseabfälle zu schade für den Müll sind‘ zu entnehmen.
  • In der Kantine Fleischgerichte reduzieren, auf Qualität, Saisonalität, Regionalität achten, Essensreste meiden, Gemüse und Obst vom Blatt bis zur Wurzel verwerten.
    Besser als ‘Bio’ (dazu die Reportage ‘Europas dreckige Ernte‘): Demeter, SoLaWi, etc.
  • Pflanzliche Alternativen zu tierischen Produkten wählen, statt minderwertige Ersatzprodukte.
  • Minimierung der Transportwege und Verpackungen.
  • Mehrweggeschirr und -besteck sollte selbstverständlich sein.
  • Einsatz energieeffizienter Küchengeräte.
  • Resteverwertung intern maximieren und Überschussvergabe soweit die Regularien das zulassen als Spende organisieren (foodsharing, etc.).
  • Kantinenbesucher*innen darauf hinweisen, dass eigene Behälter zum Mitnehmen ihrer Essensreste willkommen sind.
  • Keine Einwegflaschen, das Angebot an Mehrweg-Getränkeflaschen minimieren, frisches Leitungswasser zum Selberzapfen bereitstellen (pur/gesprudelt).

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Müllvermeidung, Weiterverwendung und Entsorgung

  • Grundlegend zum Thema Müll sind auch hier die 5 R von Béa Johnson in folgender Reihenfolge: 1. Refuse / ablehnen, 2. Reduce / reduzieren und Verschwendung minimieren, 3. Reuse / Nutzungsdauer verlängern durch Reparatur und Umnutzung, 4. Recycle / Verbundstoffe meiden und Mülltrennung, 5.Rot / kompostieren
  • Die Mülltrennung die zuhause gilt, sollte auch im Büro möglich sein: Papier, Kunststoff, Glas, Bio, Batterien, Restmüll, etc. Falls das im Büro noch nicht bereitgestellt wird, vorschlagen und den Müll bis zur Umsetzung mit nach Hause nehmen.
  • Verschiedene Dinge lassen sich für den guten Zweck sammeln, statt sie im Müll zu entsorgen, Kronkorken zum Beispiel. Mit dem Erlös der Verwertung finanziert z.B. die ehrenamtliche Initiative Blechwech notwendige Impfungen, ähnlich wie der Verein Deckel gegen Polio mit Kunststoffdeckeln von Trinkflaschen.
  • Im Raucherbereich lassen sich Zigarettenstummel sammeln und dem Recycling- und Weiterverwertungssystemangebot TobaCycle zukommen
  • Elektrogeräte und Möbel, je nach Zustand, der Reparatur oder Weiternutzung zuführen, das spart Ressourcen und unterstützt im besten Fall soziale Arbeit. Hier Anlaufstellen im Raum Köln und anderswo.

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Einkauf von Bürobedarf

Der Einkauf von Büroutensilien ist die Stellschraube für das Zero Waste im Büro, an jedem Schreibtisch. Es geht hier kaum um Verzicht, viel mehr um sinnvollen Ersatz. Sind die Alternativen ein mal gefunden, wird der Einkauf zur üblichen Routine.

  • Einkauf bündeln: Selten viel kaufen, statt oft wenig. Besser viel bei einem Lieferant kaufen, statt bei vielen nur etwas, spart Verpackungsmüll und Transportemissionen.
  • Wenn aufgrund der Massen ein lokaler Einkauf nicht möglich ist, bieten sich online nachhaltigere Versandhändler an, z.B. Memo oder Manomeer, die bei Produkten und Versand per se auf ökologische Parameter achten.
  • Je größer das Büro, desto mehr lohnt es sich die großen verpackungsoptimierten Margen zu beziehen, wie ein Unverpacktladen.
  • Fachliteratur im lokalen Buchhandel besorgen oder online bei nachhaltigeren Unternehmen bestellen wie z.B. Buch7.
  • Elektrogeräte mit geringem Stromverbrauch nutzen, auf Langlebigkeit setzen statt auf Dumpingpreise.
  • Großkombigeräte wie Drucker/Kopierer/Fax lassen sich gebraucht inkl. Service bereitstellen.
  • Für kleine Büroeinheiten lohnt sich der Besuch von Sozialkaufhäusern. Dort lässt sich für kleines Geld und mit Glück einiges finden, vom Ordner bis zum Bürostuhl, von der Schreibtischlampe bis zum Anspitzer, vom Lineal bis zum Ablagesystem, vom Taschenrechner bis zur Kaffeemaschine. 

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Arbeitswege und die Wahl der Fortbewegungsmittel

  • Fahrrad fahren statt Auto, Bus und Bahn.
  • Bus- und Bahnfahren ist wiederum dem Auto vorzuziehen.
  • Falls vorhanden, Carsharing nutzen und den eigenen PKW abschaffen.
  • Fahrgemeinschaften bilden mittels Absprachen, Intranet oder schwarzem Brett.
  • Perfekt ist, wenn der/die Arbeitgeber*in den nachhaltigen Arbeitsweg fördert, bspw. in Form von gestellten Monatsticket für den ÖPNV. Bei Außenterminen sind je nach Standort Carsharingsysteme eine Möglichkeit. Wenn Geschäftswagen nötig sind, gilt es hier eine weise, nachhaltige, langfristig gute Lösung zu finden in der Art des Antriebs.
  • Für den Fahrtweg sind wiederverwendbare To-Go-Becher oder Flaschen von zuhause mitgenommen, Einwegbechern/-flaschen vorzuziehen. Eine Alternative sind Pfandbecher von z.B. Recup und kooperierenden Händlern. Flaschen lassen sich in Geschäften mit dem Refill-Logo kostenfrei mit Leitungswasser auffüllen.

Nachhaltige Geschäftsreisen

  • Ist jede Reise nötig? Was lässt sich in Videokonferenzen besprechen?
  • Braucht es die Videokonferenz, den Einsatz von Technik und Ressourcen, wenn man fußläufig, ohne Einsatz von Fremdenergie, zueinander finden kann?
  • Bus und Bahn statt Flugzeug und Auto nutzen.
  • Für jedes Fortbewegungsmittel das CO2-Emissionen frei setzt, kann man über verschiedene Anbieter, Bsp. Atmosfair, den verursachten Gasanteil errechnen und dem Schaden mittels finanzieller Unterstützung von Klimaschutzprojekten entgegensteuern. Dabei gilt stets: Vermeiden ist besser als vermeintliches Kompensieren.
  • Unterkünfte für die Nacht lassen sich ebenso hinsichtlich nachhaltiger Aspekte auswählen, Bsp. Biohotel.
  • Kriterien zur Wahl eines Tagungsortes sind die Entfernung und die Ausrichtung des geführten Hauses vor Ort (Bio, Zero Waste).

Zero Waste Events

Dazu habe ich einen extra Beitrag geschrieben: Planung von umweltfreundlichen Veranstaltungen (Parameter: Ort, Mobilität, Unterbringung, Energie, Catering, Abfall und Ressourcen, Kommunikation, Unterhaltung). Deshalb seien hier nur in Kürze ein paar Punkte erwähnt.

  • Betriebsausflüge bewusst wählen: in der Nähe Bogenschießen statt Paintball, Wandern statt Quadfahren.
  • Wiederverwendbare Dekoration und Infoständer bereitstellen, z.B. am Tag der offenen Tür, zur Weihnachtsfeier, zum Neujahrsempfang.
  • Catering oder Weihnachtsessen lokal wählen, z.B. Bio, Demeter, Zero Waste, Buffet aus geretteten Lebensmitteln.

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Berufsbekleidung und Fair Fashion

Ob Blaumann oder Anzug, die Auswahl fair hergestellter Textilien wächst. Während mir das Angebot zwischen vom medizinischen Bereich über Gastronomie (Bsp. Kaya&KatoGreiff) bis Autowerkstatt und Dachdecker (Bsp. engelbert strauss) noch nicht breit aufgestellt scheint, so wird man in Mission Bürooutfit leichter fündig. Z.B. bei  Marken wie Lanius, Hessnatur, Wunderwerk, Natascha von Hirschhausen, Jungle Folk, etc. In diesem Beitrag inkl. digitaler Karte sind sich zig Läden in Köln mit den teils genannten Marken zu finden und selbstverständlich auch meine immer 1. Wahl: Sozialkaufhäuser mit Gebrauchtkleidung.

Grundlagen für Büroinhaber (die noch nicht genannt wurden)

  • Der Bürokomplex, ob Neubau oder Bestand, Betrachtung der Architektur hinsichtlich energetischer Aspekte, Qualität der Gebäudehülle (Außenwände, Fenster, Dach), gebaut/umgebaut/erweitert/saniert mit bspw. DGNB-Zertifizierung (auch hier Vorsicht vor zu schönen Worten), Haustechnik, Energiebilanz, etc.
  • Nachhaltige Bank wählen, die nicht die Rüstungsindustrie unterstützt, Spekulationen mit Lebensmitteln, Investitionen in Kohle oder Erdöl und Atomkraft.
  • Nötige Versicherungen bei nachhaltig orientierten Anbietern abschließen.
  • Versorger mit reinem Ökostrom-/Ökogas-Angebot wählen, keine Mischkonzepte die Kern- und Kohlekraftwerke fördern oder eine Tochtergesellschaft eines solchen Großanbieters.

Das Unternehmen, die Bürogemeinschaft, der/die Einzelne

  • Perfekt ist, wenn seitens des Arbeitgebers bereits ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Bürostrukturen und Arbeitsabläufe geschaffen sind.
  • In bestehenden Bürostrukturen, je nach Bürogröße, können Nachhaltigkeitszuständige ernannt werden, die sich ins Thema einfinden, die Mitarbeiterschaft für die Notwendigkeit von Zero Waste im Büro sensibilisieren und Lösungen vorschlagen, vorgeben und vorleben.
  • Für jeden Alleinkämpfer spricht das Schneeballsystem mittels Vorleben, Wissensvermittlung, Nachahmung und im besten Fall gemeinsamer Weiterentwicklung. Die Vorteile eines Zero Waste Büros sind nicht nur umweltschützend, sondern in vielerlei Hinsicht auch kostensparend. Wenn die Notwendigkeit von Umweltschutz noch nicht verstanden wird – Kosten sind in der Regel ein willkommenes und wirksames Argument.
  • Zur Motivation der Kollegenschaft gibt es zahlreiche Varianten die nicht nur in Mission Nachhaltigkeit effektiv sind, sondern auch das Miteinander stärken. Zum Beispiel durch das Sammeln von Fahrradkilometern im Wettbewerb unter Abteilungen, den Wettbewerb Büro + Umwelt als Gesamtunternehmen, eine ‘Energieuhr’ die den Stromverbrauch abbildet und zum steten Senken des Verbrauchs herausfordert.

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Im Kleinen handeln, was gemeinsam und im Großen zum Schutz unserer Welt notwendig ist. Heute, jetzt, ist ein guter Zeitpunkt um zu beginnen und um Erreichtes weiter auszubauen.

– Minimaler Materialeinsatz
– Minimale Emissionen
– Meiden von Schad- und Problemstoffen

– Auf Recyclingfähigkeit achten
– Einsatz von Recyclingmaterialien
– Pflege / Reparatur zur Erhöhung der Lebensdauer von Geräten und Einrichtung

Das war’s. Geschafft! : ) Wie läuft es bei Euch im Homeoffice oder im Unternehmen? Habt Ihr Ergänzungen oder weitere Ideen zu Zero Waste im Büro?

Liebe Grüße . Maren

14 Kommentare

  1. liebe maren,

    du bist echt einmalig. die gründlichkeit mit der du dich des themas angenommen hast beeindruckt mich sehr… deine denkanstöße sind es oft, die bei mir stückchen für stückchen zu veränderungen führen.
    sicher nicht alles auf einmal, dafür bist du viel zu gründlich, aber ein nach dem anderen.

    danke!

    • Minza will Sommer

      Herzlichen Dank Julia! Es ist das Ergebnis vieler aufgeschnappter Artikel in den letzten Jahren und mein Wunsch, alles auf einen Blick zu haben um selber damit arbeiten zu können, wie Du schreibst – eins nach dem anderen!
      Liebe Grüße
      Maren

  2. Hallo Maren,
    die ganzen Infos regen mich echt zum Nachdenken an. Ich hätte nie gedacht, dass eine E-Mail so viel CO2 produziert. Vielen Dank für die ganzen Infos. Jeder sollte nur noch nachhaltige Büromittel und Tischunterlagen nutzen. Viele Sachen können auch aus alten Materialien hergestellt werden. Liebe Grüße Jana

    • Minza will Sommer

      Hallo Jana, es geht mir wie Dir! Manches hat mich verblüfft und auf manche Stellschrauben wäre ich selbst nicht gekommen. Und Du sagst es, mit Vorhandenem kann man schon irre viel machen! Vielen Dank für Dein Feedback!
      Liebe Grüße
      Maren

  3. Pingback: Schule/Uni/Arbeit ohne Abfall – couchpotatoactivist

  4. Sehr gute Erklärung und regt wirklich zum Nachdenken an. Es ist nicht schwierig Abfall zu reduzieren, es muss ja nicht zero waste sein.
    Alles was gespart wird ist ja schon besser, als nix 😉

    Lg Sebi

    • Minza will Sommer

      ‘Zero Waste’ beschreibt ein Ziel wie Demokratie und andere Ziele, für die es sich immerzu einzusetzen lohnt, das jedoch in Perfektion ‘all over the world’ wohl nicht zu erreichen ist. Insofern, volle Zustimmung! Danke für Dein Feedback, Sebi!

  5. Hallo Maren,
    Danke für die tolle Ideensammlung.
    Bei mir sind zusätzlich schon wiederaufladbare Akkus statt Batterien und DIY Reused Collegeblöcken aus Schmierpapier im Einsatz. Bei größeren Unternehmen macht es auch Sinn Büromaterialien über ein Kanban System zentral zu steuern. Dort steckt ein enormes Einsparpotential drin und gleichzeitig sorgt es für mehr Ordnung, Struktur und Sauberkeit.

    Viele Grüße,
    Karina

  6. Hallo,
    das ist aber eine ausführliche Liste! Ganz toll. Da sind tolle Inspirationen dabei, die ich – so gut ich kann – umsetzen werden.
    Danke für die vielen Tipps!

    Grüße
    Jana

    • Minza will Sommer

      Lieben Dank Jana,
      freut mich und hier ebenso – im Prozess der Umsetzung.
      Grüße
      Maren

  7. Was Design und Funktionalität einer Website angeht, möchte ich dringend bitten, sich doch selber auch daran zu halten. In diesem Artikel sind 19 (neunzehn!!!!!!!) großformatige Fotos eingefügt (Höhe weit über 600px). Das führt zum genauen Gegenteil der eigentlichen Absicht: der Text wird nicht aufgelockert, sondern regelrecht zerrissen. Von unnötigen Ladezeiten und Speicherkapazitäten beim Hoster mal ganz zu schweigen. Grün geht echt anders.

    Ansonsten ist der Inhalt sehr gut – wenn er eben durch die Bilder nicht überfrachtet und zerrissen wäre.

    • Minza will Sommer

      Hallo Ulrike,

      danke für Deine positive und kritische Rückmeldung!

      Zur Kritik, denn etwas Wesentliches musst Du überlesen haben: Mein Beitrag ist meine ToDo-Liste und nicht meine abgehakte Checkliste. Bzgl. der Fotos hast Du also recht, wenn auch Deine Zahlen nicht ganz stimmen, die Kernaussage ist richtig. Ich bin dabei, nach und nach diesen und ein paar hundert weitere Beiträge zu optimieren, u.a. hinsichtlich der Fotos.

      Was das Design angeht stehen kleine Überarbeitungen an. Nach dem Blick auf Deine Website (Farbgestaltung, Struktur, Lesbarkeit, …), ich schaue gerne nach Inspiration zur Verbesserung, ist unsere Auffassung jedoch zu konträr.

      Grüße
      Maren

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