Zahlen, Fakten, Ziele | Was hat Mode mit Umweltschutz zu tun?

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Kleidung ist zur Massenware geworden, billig wie nie und von der Produktion bis zur Vernichtung sind Umweltverschmutzung, die Verletzung der Würde von Mensch und Tier Standard. Dazu ein paar Zahlen und Fakten und eine Formulierung von Zielen zur Vereinbarkeit von Mode und Umweltschutz.

Der kurze Weg zum Themenpunkt per Link:
Umgang mit Kleidung / Produktion und Auswirkung / Alttextilien / Recycling und Zukunft

Mode und Umweltschutz, was muss sich in der Modebranche ändern, gesetzliche Forderungen in der Modeindustrie, Kreislaufwirtschaft, Recycling von Textilien, wohin mit Altkleidern

Foto: Franzi trifft die Liebe

Umgang mit Kleidung

▪️ 24 Kollektionen Fast Fashion werden pro Jahr produziert, bis 4500 neue Teile Ultra Fast Fashion im Wochenrhythmus. Diese Mode hat mit Umweltschutz nichts zu tun.
▪️ Von 2000 bis 2015 hat sich die Anzahl der Kleidungskäufe weltweit verdoppelt auf mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke. Die Prognose für 2030 liegt bei einer weiteren Verdopplung.
▪️ 2018 wurden in Deutschland 64,9 Milliarden Euro für Bekleidung ausgegeben, ca. 780 € pro Person. Das wird in Europa nur von den Briten mit 1000 € pro Kopf getoppt.

Waste isn’t waste until we waste it.
Will.i.am

▪️ 95 Kleidungsstücke besitzt im Durchschnitt jede:r in Deutschland.
▪️ Etwa 40% davon werden selten bis nie getragen.
▪️ Ca. 10% aller Kleidungsstücke im Handel werden ungenutzt vernichtet.
▪️ 391.752 Tonnen Textilmüll, 4,7 kg pro Kopf fallen jedes Jahr an.

Produktion und Auswirkung

▪️ 90% der in Deutschland verkauften Bekleidung wird importiert, mehr als 50% kommt aus China, Indien, Bangladesch und der Türkei.
▪️ 11.000 Liter Wasser werden im weltweiten Durchschnitt für die Produktion pro Kilo Baumwolle benötigt, Hanf und Leinen brauchen 2500 Liter. Beispiel der dramatischen Folgen: der Aralsee in Zentralasien, ehemals viertgrößtes Binnengewässer der Erde, führt nur noch 1/3 seiner ursprünglichen Wassermenge.
▪️ Etwa 25% aller Insektizide und ca. 10% der Pestizide weltweit kommen beim Anbau von Baumwolle zum Einsatz. Dabei macht dieser nur 2,5% der weltweiten landwirtschaftlichen Fläche aus.
▪️ Mehr als 60% Plastikfasern wie Polyester, Nylon, Acryl werden mittlerweile in der Modeindustrie verwendet, Tendenz stark steigend.

Polyester ist die Plastikflasche zum Anziehen.
Polyester gehört zur Familie der synthetischen Polymere (Kunststoffe), dazu gehört u.a. PET, das aus den Grundbaustoffen Steinkohle, Kalk, Erdöl, Erdgas besteht.

▪️ Mehr als 700.000 Mikrofasern werden bei jeder Wäsche heraus gewaschen. Es macht dabei logischerweise keinen Unterschied, ob die Faser neu hergestellt wurde oder anteilig aus Recyclingmaterial besteht. Die meisten Fasern davon können nicht rausgefiltert werden und landen im Abwasser, somit in unseren Flüssen und Meeren und letztlich über Nahrungsmittel auch im menschlichen Körper.
▪️ 35% des weltweiten Aufkommens von Mikroplastiks stammt von Textilien: Mode und anderes.
▪️ Über 20.000 Chemikalien werden in der Textil- und Modeindustrie eingesetzt zum Färben, Waschen, Ausrüsten, etc. Das macht etwa 30% des weltweiten Einsatzes aus. Viele Chemikalien sind giftig, krebserregend und verunreinigen vielerorts ungefiltert Gewässer mit verheerenden Folgen für Böden, Tiere, Nahrungsmittel, die Menschen.
▪️ Für 20% der Industrieabwässer-Verschmutzung weltweit ist die Modebranche verantwortlich.
▪️ In China, dem weltweit größten Textilproduzenten, haben über 300 Millionen Menschen keinen Zugang mehr zu sauberem Trinkwasser.
▪️ Fast 25% der klimaschädlichen CO2-Emissionen stammen aus der Textilindustrie.
▪️ Die Modebranche liegt in Sachen Umweltverschmutzung auf Platz 2, direkt hinter der Erdölindustrie.

Verbleib von Alttextilien

▪️ Etwa 1 Mio. Tonnen Kleidung werden in Deutschland pro Jahr abgegeben. Der Altkleidermarkt erstickt an unserem Verständnis vom Umgang mit Mode und Umweltschutz.
▪️ Die steigende schlechte Qualität der Textilien eignet sich immer weniger, um daraus Putzlappen oder Dämmstoffe herzustellen. Das Verbrennen einer Tonne Kleidung kostet derzeit bis zu 250 Euro.
▪️ Über Sammelcontainer für Textilien erhalten manche Verwertungsunternehmen 65% tragbare Mode. Knapp 4/5 dieser Kleidung verkauft z.B. Texaid nach Afrika, in den Nahen Osten, nach Osteuropa und Russland. 1/5 davon wird in den eigenen Läden in Deutschland teuer verkauft.
▪️ Der Verkauf dieser Spenden in andere Länder zerstört mitunter die dortige Textilindustrie samt kulturellem Handwerk und allem was zur Produktion und lokalen Wirtschaft dazu gehört.
▪️ Die Alternative zu den genannten Sammelcontainern sind karitativ arbeitende Unternehmen. Dort unterstützt man mit seiner Spende und über den Erlös des Verkaufs soziale Arbeit. Bedürftige Menschen erhalten Kleidung kostenfrei. In Köln sind das z.B.: BfO, Emmaus und die Fairstores. Empfehlenswerte Containersammlungen und Annahmestellen sind über die Seite FAIRwertung zu finden.

Mode und Umweltschutz, was muss sich in der Modebranche ändern, gesetzliche Forderungen in der Modeindustrie, Kreislaufwirtschaft, Recycling von Textilien, wohin mit Altkleidern

Recycling und Zukunft

Textilien werden kaum recycelt. Weniger als 1% der Kleidung wird in einem geschlossenen Kreislauf zu neuen Fasern für die Bekleidungsindustrie aufbereitet. Textilien aus recyceltem Meeresplastik sind keine nachhaltige Variante. Der Recyclingprozess ist aufwendig, chemisches Recycling energieintensiv, das Material möglicherweise gesundheitlich bedenklich. Im Ursprung kann es erheblich mit Schadstoffen belastet sein und ist kaum davon zu trennen. Die Beschaffung des Materials über Müllexporte ist CO2-teuer. Textilien aus diesen recyceltem Material (-beigaben) sind selten recycelbar, da sie aus unterschiedlichen Materialien bestehen und mit Chemikalien versetzt sind. Ebenso Bio-Stretch (biodegradable Elasthan, etc.), angeblich abbaubar, das soll jedoch nur unter Laborbedingungen möglich sein. Wohin also damit?

Es gibt noch keine gesetzlichen Regelungen zum Umgang mit entsorgten Textilien und die Recycling-Technik ist (dementsprechend) nicht ausreichend entwickelt. Dem gegenüber stehen Konzepte: Faser-zu-Faser-Recycling statt Downcycling, Kreislaufwirtschaft (C2C), gemeinwohl ökonomisches Wirtschaften, etc.

Es fehlen politische Anreize, um Mode und Umweltschutz zu vereinen, für ein besseres Recycling und die Entwicklung neuer Verfahren. Pionierunternehmen und Forschungsinstitute, z.B. um das Faser-zu-Faser-Recycling technisch zu optimieren, werden aktuell ausgebremst. Die erweiterte Produktverantwortung für Hersteller und Vertreiber muss sichergestellt sein. Das inkludiert die finanzielle Verantwortung für die in Verkehr gebrachten Textilien. Gutes Design bezieht das spätere Recycling mit ein. 

An erster Stelle steht, die Nutzungsdauer unserer Kleidung zu erhöhen und Textilabfälle zu vermeiden. Danach ist das Ziel, einen möglichst geschlossenen Stoffkreislauf und die Vermeidung der Verbrennung von Alttextilien sicherzustellen.

Was tun? Meinung bilden, eigenes Handeln justieren, politische Einflussnahme nutzen, zusammenschließen mit ähnlich Motivierten, mitmachen bei der jährlichen Fashion Revolution – morgen geht es wieder los 20.-26. April mit weltweiten Aktionen.
Die Petition zum Lieferkettengesetz mit seinen Forderungen ist schon unterschrieben? #fairbylaw Ein paar Minuten Zeit und schon ist wieder ein Schritt getan.

Liebe Grüße . Maren

2 Kommentare

  1. Pingback: Dein nachhaltiger Kleiderschrank | Mode und Umweltschutz | MINZA WILL SOMMER

  2. Hallo,
    danke für diesen so interessanten Beitrag! Die Zahlen sind wirklich sehr interessant und zeigt, welchen Einfluss unsere Entscheidung für die Umwelt hat.

    Grüße
    Isa

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