Welcome Dinner Cologne + Alaaf!

Kennt Ihr das Welcome Dinner? Die Initiative von Ehrenamtlichen, die den Kontakt zwischen aus der Heimat Geflohenen und Gastgebern herstellen, um einen gemeinsamen Abend zu verbringen?

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Das Welcome Dinner gibt es mittlerweile in Köln, Hamburg, Kiel, Wiesbaden, Koblenz, Berlin, Mainz, Jena, Düsseldorf, Lüneburg, Münster, Stuttgart, München, Hannover, Aachen, Kraichtal, Göttingen, Potsdam, …

Mitmachen geht ganz einfach: Auf der Internetseite das Anmeldeformular ausfüllen, Antwort mit Kontaktdaten eines zu Deinen Angaben passenden neuen Nachbarn abwarten und Termin ausmachen.

Und so war unser Dinner.

Im Plenum des WiKu Ehrenfeld habe ich im letzten Sommer mitbekommen wie das Welcome Dinner nach dem Vorbild der Hamburger hier in Köln entstand. Als die Seite online war, ging meine Anmeldung raus. Anfang Januar war es dann so weit und ich konnte zu meinem ersten “Welcome Dinner”​ einladen. Ein paar Freunde kamen, jeder brachte eine Kleinigkeit zu essen mit und pünktlich wie die Maurer klingelten auch Jihad und Mirvan an der Tür.

Die beiden kommen ursprünglich aus Städten nahe der türkischen Grenze in Syrien und haben sich kennengelernt, als sie vor etwa einem halben Jahr Deutschland erreichten. Sie erzählten von Syrien, Familie und Freunden, zeigten Fotos von dem aktuellen Stand in der Heimat. Wir sprachen über den Alltag in Köln, die Unterkünfte, den Wohnungsmarkt, Ämtererfahrungen, Studium (sie sind beide um die 20 Jahre alt und haben Träume wie wir), Möglichkeiten der Unterstützung … und auch über die Anfang Januar noch sehr frischen und schlimmen Ereignisse in der Silvesternacht hier in Köln.

Neben Schwerem gab es auch viel zu Lachen; bei der Nachhilfe in Sachen “Gruppenselfie” zum Beispiel (ich hab den richtigen Griff jetzt raus!), den Wissenslücken die beim Blick in die Deutschhefte schonungslos zu Tage kamen (ohweia!) und die Herzen schmolzen, als Jihad ein selbst geschriebenes deutsches Liebesgedicht vorlas (hach ♥). Um Mitternacht siegte die Müdigkeit, Nummern wurden ausgetauscht, guter Abend, gute Nacht!

Wie ging es weiter? Jihad und Mirvan waren bereits gut eingebunden, sie haben Ansprechpartner die ihnen zur Seite stehen. Da gibt es für mich nicht viel zu tun. Muss ja auch nicht, ich freue mich ihn zu treffen, zu hören wie es ihm gerade geht und wenn
es mal was zu tun gibt, wir sehen uns!

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Und dann kam Karneval. Wir trafen uns in einer Veedelskeipe in Ehrenfeld. Große Wiedersehensfreude! Jihad hatte mittlerweile Aussicht auf ein WG-Zimmer, raus aus der Unterkunft, und erzählte von seinem „Dienst“ am Bahnhof an Weiberfastnacht. Er gehörte zu dem ehrenamtlichen Sicherheitsaufgebot, damit sowas wie an Silvester nicht wieder passiert.

Und dann – ab dafür! Tanzen, Singen, Schunkeln, was das Zeug hält! Ich hätte jedwedes Erstaunen, gar Naserümpfen über das kölsche Liedgut und die seltsamen Anblicke von Verkleideten als Käsespieß, Matrose, Möhre, Hippie, Superwoman, Popcorntüte und Tennisspieler bestens verstanden! Aber nö, Jihad als Gallier und seine Freunde schunkelten mit, als wäre Syrien ne Karnevalshochburg! Öhm, gerade mal gegoogelt, da gibbet Karneval – in Marmarita fing alles an.

Ihr könnt Euch vorstellen, gemäß meiner Einstellung zu Karneval, war das ein großartiger Abend!

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Warum ich das erzähle? Tja, eigentlich hatte ich es nicht vor, aber die Ergebnisse der Landtagswahlen haben mich so schockiert, dass ich dieses kleine schöne Erlebnis mit in die Waagschale der öffentlichen Haltung werfen möchte. In die Waagschale derer, die für ein Miteinander einstehen. Das “Welcome Dinner” ist eine wunderbare Möglichkeit zu einem kleinen Schritt Richtung Integration und es ist eine Bereicherung der eigenen Erlebniswelt.

Ich hoffe, noch viele andere werden solch gute Begegnungen haben!

Leev Jröß . Maren

3 Kommentare

  1. Liebe Maren,

    voll toll – ich habe mich gleich fürs Welcome Dinner angemeldet. Mal sehen, ob es so etwas auch bei uns in Erfurt gibt. Wenn ich soviel Positives höre, vermisse ich Köln besonders. In Thüringen wird Karneval benutzt, um Andere auszugrenzen, im Rheinland läuft das genau andersherum.
    Es macht jedenfalls unglaubliche Freude, solch Leichtigkeit in Bildern zu sehen!
    In diesem Sinne: Kölle Alaaf!
    Steffi

  2. Das ist ja eine coole Sache. Ich kannte das noch gar nicht und bin begeistert. Mal sehen, ob die Franken dass hier auch mal auf die Reihe bekommen.
    Schöne Grüße
    Jutta

  3. Pingback: Warum wir es uns nicht leisten können unpolitisch zu sein | Blogger gegen Rechts - MINZA WILL SOMMER

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