Tante Mariechen

Wie steht es um
Eure geerbten Möbelstücke? Hättet Ihr gerne Dinge übernommen die achtlos
entsorgt wurden? Hütet Ihr Stücke wie einen wertvollen Schatz? Oder mögt Ihr
keinen alten Krempel? Oder passt es nicht in Euer Heim, obwohl das Herz dran
hängt?

Mein Nachtschrank ist so ein Erbstück. Vor etwa 5 Jahren schenkte ihn mir meine Mutter zu Weihnachten, samt neu aufgelegter Marmorplatte. Er stand in
ihrem Elternhaus (in dem heute nichts mehr ist wie es war) und gehörte
einst meiner Urgroßtante Mariechen. Sie ist unten auf dem Lichtbild zu sehen.
Während damals die
Erwachsenen in der Stube redeten habe ich als Kind gerne den „Klogang“ heimlich
verlängert. Ich liebte es in dem großen verwinkelten Bauernhaus zu stöbern, über knarzende Holztreppen und knorrige Flurdielen neue Räume zu entdecken und
in alten Möbeln Dinge vergangener Jahrzehnte zu finden; der Geruch von altem
Holz, Seife, knatschende Schranktüren und Schübe, Stoffe und Gegenstände die
alle ihre eigene Geschichte erzählen; ich verlor mich mit ihnen zu gern in meiner Fantasie. Das
sind die schönen Erinnerungen, die allesamt in diesem Nachtschrank stecken.
Obenauf die Erzählungen zu Mariechen, ihrem Wesen,.. Das alles macht den
Nachtschrank an meiner (Bett-) Seite zu einem Held des Alltags.

Deshalb mitgemacht bei den Alltagshelden bei Ninotschka von Konfettiregen!

Liebe Grüße + mögt Ihr erzählen? 

🙂 Minza


27 Kommentare

  1. Oh jaaaa, solche Möbelschätze sind doch toll! Meine Wohnung steht voll damit, weil ich den Hausrat meiner Großeltern vor dem sicheren Sperrmülltod gerettet habe und es sind sogar echte Designerstücke dabei gewesen (was mir allerdings erst später klar wurde). Mein letzter Blogpost beschäftigt sich mit genau diesen Möbeln. Schaus dir mal an, wenn du magst 🙂 Viele Grüße, Kukla

    • Liebe Kukla,
      eben habe ich Deinen Post gelesen und bin begeistert von Möbeln, eigener und allgemeiner Geschichte! Hab herzlichen Dank für Deinen Kommentar und Hinweis!
      Viele Grüße!

  2. wie schön, wenn ein möbelstück solche geschichten erzählen kann! ich habe leider gar nichts mehr an möbeln aus der familie, die wurden nämlich in den 60er/70er jahren zerkloppt… nur ein paar fotos und zwei schmuckstücke sind geblieben, die halte ich natürlich sehr in ehren. aber ich habe noch ein selbstgebautes regal aus meiner studizeit (und die ist lang her…!) und ebenso ein schränkchen, das damals ein vormieter zurückgelassen hat. einige alte stücke vom sperrmüll und aus dem trödelladen wurden auch selbst aufgearbeitet, aber geschichten kann ich mir dazu leider nur ausdenken!
    liebe grüße, mano

    • Oh ja, bei uns wurde auch so viel "zerkloppt"… Ich darf gar nicht daran denken. Umso schöner wenn dann Selbstgebautes bleibt oder auch Gefundenes, dessen Geschichte geheim, aber dennoch offensichtlich ist.
      Liebe Grüße!

  3. Ganz wie Du sagst: Diese alten Geräusche und Gerüche. Holz mit Patina, das sich ganz warm und weich anfühlt, die Treppen, über die man sich nur heimlich raus- (oder rein-)schleichen kann, wenn die knarzenden Stufen überspringt. Mir wird ganz warm ums Herz. Ich bin deshalb auch total begeistert von Deinem Schlafzimmer. Was für eine wunderbare Mischung! Von unseren Möbeln konnte ich leider nichts mitnehmen, weil ich einfach keinen Platz hatte. Aber zumindest kleine Erbstücke sind mir geblieben, und die hüte ich wie meinen Augapfel.
    Liebe Grüße
    Sonja

    • …und mir wird bei Deiner Beschreibung war um's Herzerl. 😉 Ich denke gerade auch an das Geräusch, wenn man die alten Baklitlichtschalter dreht… "klack", Licht an. Und wie still und gut die Luft im felsigen Keller war, eine steile Steintreppe hinab zu all den eingemachten Vorräten…
      Danke für Deine Beschreibung + das mit dem Platzmangel kenne ich leider nur zu gut, wie das liebevolle Hüten der Schätze.
      🙂 Grüße!

  4. das ist aber auch wirklich ein schönes teil!
    ich mag altes mit geschichte so gern! die ganze wohnung muss ich davon nicht vollstehen haben, aber mir ist es oft lieber als ganz moderne möbelstücke. ich hab zum beispiel ein altes apothekerschränkchen zum aufhängen mit glasfenster, das hat meine mutter vor ein paar jahrzehnten bei einer apothekenauflösung ergattert, ganz toll. es gab noch ein zweites schränkchen, das ist aber leider über die jahre irgendwie verschollen gegangen, leider…

    • Oh, das klingt gut, ich stelle es mir gerade vor… Wo hängt es und was bewahrst Du darin auf? Mir geht es ähnlich wie Dir mit neuen Möbeln. Ich muss schon schwer verliebt sein um etwas Neues zu kaufen, aber einfachso, weil ich's gerade brauche… nicht so meins. Und so steht bei mir immer immer immer noch das olle olle olle Studentensofa. 😉

  5. Ein außergewöhnliches Stück mit wunderbarer Geschichte!
    Leider kann ich nichts vorweisen, da mein Opa in den 60er Jahren alles wegrenoviert hat. Möbelund weiteres Holzinventar wurden zersägt und entsorgt. Darüber habe ich schon meine Tränen geweint. Vielleicht umgebe ich mich darum mit "fremden" alten Dingen – einfach um zu bewahren.

    Liebst,
    Steph

    • Autsch! :/ Bei mir ähnlich, die Wertschätzung war einfach nicht da + so bin ich froh über das Wenige das blieb. Ich frage mich, was schätze ich heute nicht, werfe es achtlos weg, das später mal… Du weißt schon. Guter Gedanke, dass wir Altes deshalb so schätzen um etwas zu bewahren. Mehr als ein Möbel!?

      Liebstes! 🙂

  6. Ich habe einen alten Holztisch. Ich kann mich nicht erinnern, dass er mal nicht in meinem Elternhaus stand. Und meine Mutter auch nicht, die ihr Leben lang dort wohnt. Ich erinnere mich daran, dass er mal Nähtisch war, dann Bügeltisch, Spieltisch, Schreibtisch, Maltisch und zuletzte stand er armselig in der Garage und beherbergte gestapeltes Altpapier. Das war der Zeitpunkt, an dem ich sagte: den nehm ich mit nach Hamburg. Also beim nächsten Mal ein größeres Auto gemietet und jetzt isser hier. Nach all den Jahren wohnt er jetzt in der großen Stadt und ist Basteltisch, Schreibtisch, Esstisch und Deko 😀

  7. genau darin besteht das erbmöbelstückdrama: die frage des transports und der unterbringung. woher bloß den platz nehmen? es gibt hier alte möbel, aber die sind allesamt aus caritas-läden zusammengekauft; während die schönen kommoden und schränke meiner oma einem unklaren dasein (?) entgegenblicken …

  8. Erinnerung bewahren, festmachen an Faktischem ist für mich wichtig. Wir haben viele dieser Erinnerungfragmente. In einem Holztisch z.B. ist noch der Abdruck der Unterschriften meiner Großmutter zu sehen, wenn man weiß wo man hinschauen muss… LG Iris

  9. Oh ja, da ist die uralte Hochzeitstruhe von 1780, die mir meine Großeltern vermacht haben. Wie fasziniert war ich als Kind von dieser Truhe im Wohnzimmer meiner Großeltern (wo sie übrigens viel kleiner und bescheidener aussah als in meinem Minischlafzimmer). Sie war natürlich immer abgeschlossen, aber ab und zu mal zückte mein Großvater den Schlüssel und ließ mich an seinen verborgenen Schätzen teilhaben. Und was da so alles zum vorschein kam. Herrlich. Auch heute habe ich noch den gleichen Geruch in der Nase, wenn ich die Truhe mit einem Knarzen öffne. Nun beheimatet sie meine Schätze. Unter anderem auch die vielen alten Fotos mit meinen Großeltern drauf.

  10. Ich würde am liebsten auch ALLES – na ja, fast alles – Alte behalten. Nicht nur, weil ich die Dinge schön finde, sondern weil ich so viel Schönes damit verbinde. Aber leider ist bei uns auch vieles auf dem Sperrmüll gelandet und für die Dinge, die noch da sind, habe ich leider auch keinen Platz.

    Umso schöner, dass Du Tantes Mariechen Tischchen hast!

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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