Lebensmittelverschwendung | welche Gemüseabfälle zu schade für den Müll sind | Rezept: Zero Waste Pesto

Es braucht schon eine seltene Laune oder einen besonderen Anlass, dass ein Rezept hier landet. Jetzt kommt Werbung wegen Namensnennung und Verlinkung gewerblicher Seiten: Ming leev ‘Kölner Blogklüngel’ Maja von Moey’s Kitchen war da und hat in Mission Podcast ‘Deckel auf’ von Chefkoch, mit mir über Nachhaltigkeit in Bezug auf Lebensmittel gesprochen. Zum Reinhören → Folge 5: Nachhaltigkeit, Wochenmarkt & Müllpesto. Zum Interview gab es ein Rezept mit Fotos und wenn das schon mal gewählt und geknipst ist, ist der Weg zum Blogpost kurz. Passend zur leider wenig ausgeprägten Kochleidenschaft ein leichtes Rezept nach dem Prinzip des minimalen Einsatzes für maximalen Ertrag = lecker und zero waste = keine Verschwendung = Zero Waste Pesto. Hier angereichert mit schwerer Kost zum Thema ‘Lebensmittelverschwendung’, garniert mit einem Potpourri an Informationen und Lösungen.

Der kurze Weg zu den Themen in diesem Beitrag per Link:
Problem: Lebensmittelverschwendung in Zahlen
Lösung: Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelabfall
Information: Was ist von Gemüse’abfällen’ essbar, was nicht?
Rezept: Zero Waste Pesto aus Gemüse’abfall’

Lebensmittelverschwendung, Rezept aus Gemüseabfällen

Problem: Lebensmittelverschwendung in Zahlen

• 18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland im Müll.
• 60% des Lebensmittelmülls entsteht auf dem Weg in den Handel, 40% in Privathaushalten.
• In Privathaushalten ist das ein weggeschmissener Warenwert von etwa 20 Milliarden Euro.
• 80 Kilogramm Lebensmittel werden im Durchschnitt pro Person pro Jahr entsorgt.
• Zwei Drittel davon ist vermeidbarer Lebensmittelabfall (ca. 60 kg).
• 38% von den 18 Millionen Tonnen entsorgten Lebensmitteln sind Obst und Gemüse.
Quellen und mehr Informationen der Verbraucherzentrale: Wertschätzung und Verschwendung

Lösung: Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelabfall

Langsam drehen sich die Stellschrauben in Politik, Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, -industrie und -handel. Langsam, entsetzlich langsam. Wer Kapazitäten frei hat, hilft dabei den Druck zur Veränderung im Großen zur erhöhen. Dazu ein Informationsstand 11/2019 der Verbraucherzentrale: Politik und Wirtschaft gegen Lebensmittelabfälle. Lösungen im Kleinen:

• Vorräte im Überblick behalten. Hier sind Listen zur Haltbarkeit und optimalen Lagerung verschiedener Lebensmittel.
• Bedarfsgerecht einkaufen, Essenspläne und Einkaufslisten b.B. als Hilfestellung nutzen.
Lebensmittel retten (und dabei Kosten sparen) in Läden, per Foodsharing, Apps, etc.
• Spontaneinkäufe meiden und bei Sonderangeboten auf Bedarf und Haltbarkeit achten.
• Für den Sofortgebrauch Lebensmittel mit zeitnahem Mindesthaltbarkeitsdatums einkaufen.
• In der Obst- und Gemüseabteilung einzelne Strauchtomaten, Bananen, … wählen, die werden am häufigsten liegen gelassen und entsorgt.
• Akzeptieren, dass das volle Warenangebot nicht immer vorrätig ist (Bsp. Bäcker, Markt).
• Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums auf Sinne vertrauen: sehen, riechen, schmecken.
• Essensreste mit zur Arbeit nehmen, einfrieren oder weiter verwerten.
• Reste vom Restaurantbesuch in mitgebrachter Dose zum späteren Verzehr mitnehmen.
• Ideen sammeln, was sich aus Dötschgemüse und -obst machen lässt (Kompott, Smoothie,..).
• Das Gleiche mit Gemüsestrünken, Blattgrün von Knollen und Schalen – from leaf to root / vom Blatt bis zur Wurzel.

Lebensmittelverschwendung, Rezept mit Gemüseabfall

Während der Garzeit von Nudeln, Reis, … oder Kartoffeln wandert das geschnibbelte Gemüse z.B. in die Pfanne und es bleibt Zeit sich um den frisch entstandenen Bio-Müll zu kümmern. Lange habe ich bei der Zubereitung von Gemüse zu viel des Drumrum entsorgt. Und im Laden, auf dem Markt kommt das Gemüse ja meist schon reduziert aufs vermeintlich Wesentliche an. Tragisch! Neben den wertvollen Inhaltsstoffen ist es auch was für Sparfüchse, die z.B. abgeknipsten Kohlrabiblätter die oft achtlos neben den Knollen liegen, kostenlos mitzunehmen.

Was lässt sich verwerten, was nicht?

In vielen Gemüseblättern und Strünken stecken wertvolle Nährstoffe: Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe. Manchmal sogar mehr als im Rest der Pflanze. In Kohlrabiblättern zum Beispiel soll doppelt so viel Vitamin C und deutlich mehr zellschützende Carotinoide sein als in der Knolle. So ein gutes Zeug! Ob Salat, Pesto, Smoothie, Chips, Püree, körnige oder flüssige Brühe, Salatdressing, Soßenbeigabe und vieles mehr…

Aus folgenden wertvollen ‘Resten’  lässt sich Gutes zubereiten, eine Auswahl:
– Grün von Möhren, Kohlrabi, Rote Bete, Fenchel, Rettich, Sellerie
– Strunk von Brokkoli und Blumenkohl (hier ein Rohkostrezept)
– sauer einlegen: Kohlrabischalen
– knusprig backen: Kartoffelschalen (keine grünen Schalen, nicht keimend)
– kochen, braten, backen: Bananenschalen
– rösten: Kerne aus Kürbis, Melone, kleine Kerne aus dem Pfirsich- und Aprikosenkern

Zum Verzehr nicht geeignet:
– Das Grün von Gurken, Tomaten, Paprika und Kartoffeln,
– Rhabarberblätter.
Sie enthalten unverträgliche Stoffe wie Oxalsäure oder Solanin.

Pesto aus Gemüseabfall, Zero Waste Pesto zu geröstetem Brot und Salat

Zero Waste Pesto

Was nicht in der Pfanne mit bevorzugt saisonalem und regionalem Gemüse landet, kommt ins Pesto. Was nicht ins Pesto kommt, landet auf dem Kompost. Zur Basis des Pestos kommt, was in Küche und Garten, je nach Lust auf Süßungsmittel, Nüssen, Fruchtigem, greifbar ist. Hier eine Herbst-Variante mit Circa-Angaben, denn ob es mehr oder weniger Grün gibt, alles soll verwertet werden, das kriegt jede*r in Konsistenz und Geschmack hin.

Zutaten
Basis:
• ca. 100 g Möhren- und Kohlrabigrün
• ca. 150 ml Ölivenöl
• Pfeffer und Salz
Ergänzung:
• 3-4 Walnüsse
• 1/4 Apfel
• 1 Teelöffel Apfeldicksaft für ein bisschen Süße

Zubereitung
1. Blätter waschen.
2. Blätter samt dünnen Stielteilen klein schneiden. Holziges und stark Verwelktes entfernen.
3. Öl beigeben und das Grün mit dem Prürierstab zu einer dicklich cremigen Masse pürieren.
4. Mit Salz und Pfeffer das Pesto abschmecken.
Als Ergänzung weitere Zutaten:
5. Apfelspalt in kleine feine Stückchen scheiden und dazu geben.
6. Walnüsse knacken und die Nüsse grob gehackt beimengen.
7. Mit etwas Apfeldicksaft abschmecken.

Lagerung und Haltbarkeit
• Im Kühlschrank hält sich das Pesto 4-5 Tage.
• Im Gefrierer hält es ewig. Dazu das Pesto in einem weiterverwendetem Schraubglas (zero waste + keine Extrakosten) ohne Deckel in den Gefrierer stellen und wenn die Masse gefroren ist, den Deckel drauf schrauben. (Direkt mit aufgeschraubtem Deckel soll es reichen, das Glas nicht ganz voll zu machen, damit sich die Inhaltsfeuchte beim Fieren ausdehnen kann, ohne dass das Glas zerspringt.)

Verwendung
Lecker ist das Zero Waste Pesto kalt oder warm zu Brot, auch zu trockenerem Brot in der Pfanne mit Öl angeröstet (hier zu Schwarzkohlsalat), zu gebackenen Karoffelscheiben oder als Basis oder Beigabe für Nudeln und Salate. Aber da fällt Euch selbst viel ein.
Liebe Grüße und guten Appetit . Maren

Pesto aus Gemüseabfall, Zero Waste Pesto zu geröstetem Brot und Salat

3 Kommentare

  1. Pingback: Zero Waste im Büro | MINZA WILL SOMMER

  2. Pingback: 4 Tipps zum öko-fairen Lebensmittelbezug in Köln und überall für jeden Geldbeutel | MINZA WILL SOMMER

  3. Pingback: Blumenkohlsalat [Rohkost] | MINZA WILL SOMMER

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.