Immanuel-Kirche in Köln

Noch vor ein paar Wochen weihnachtetetetete es sehr und anlässlich unserer Büroweihnachtsfeier waren wir bei schönstem Sonnenschein zum Architekturschwank unter anderem hier. ↓

Die Immanuel-Kirche in Köln-Flittard/Stammheim wurde
im März
2013 eingeweiht. Die Bestandsgebäude der zusammengelegten Gemeinden von
Stammheim und Flittard ließen aufgrund der Bausubstanz und räumlichen
Defizite keine Sanierung zu. Die Kosten trugen sich durch den Verkauf
des ehemaligen Kirchengrundstücks, einer beachtlichen Summe von
Spendengeldern der Gemeindemitglieder und Zuschüssen vom Kirchenverband.

Der Baukörper liegt inmitten eines gemischten Wohngebiets, auf einer Grünfläche
mit altem Baumbestand, erhöht vom Straßenraum. Siedlungen aus den 50er Jahren säumen
den Stadtteil, ein Neubaugebiet wird aktuell erschlossen.

Der holzverkleidete Glockenturm und die Treppenanlage  aus Beton markieren den Zugang. Kirche und Kapelle,
in gleicher finnischer Lärchenverkleidung, stehen auf Rasenflächen zwischen
vereinzelten Birken und Buchen.


Über das schräg gestellte Foyer betritt man das hochräumige Mittelschiff über dem die
positiv/negativ gestufte Empore liegt. Der Kirchenraum weitet sich, Licht fällt
über dem Altar durch das Himmelsfenster herab über die Holzlamellenwand, die in
ihrer Kleinteiligkeit farblich die Lichtwirkung unterstützt. Dahinter befindet
sich die Orgel, schemenhaft zu erahnen. 

Von dem zentralen Raum gehen allseitig Nebenräume ab, die mittels mobiler
Holzwände große Flexibilität in der Nutzung bieten. Konzerte, Feste, Lesungen, Vorträge, parallel
stattfindende Gruppentreffen und Kurse – vieles ist möglich.

180° gedreht, fällt der Blick auf die aufwärts gefaltete Empore deren Abschluss
eine mattierte Glasscheibe bildet, durch die sich, heran getreten, der weich gezeichnete
Baumbestand erahnen lässt. Die Lichtwirkung je nach Lichteinfall, der Einsatz
von dezentem, schlicht gefasstem künstlichen Licht, die sich zum Fenster schräg
verjüngenden Holzstufen, Rückzug und doch dabei, … das macht die Empore zum Wohlfühlort, einschmiegen möchte
man sich.

Die Kapelle, etwas zurück gesetzt neben dem Gotteshaus, ist sehr klein, sehr
fein. Hier finden Gebetstreffen statt, musikalisch meditative Taizé-Gebete in
der Advents- und Passionszeit  und von geliebten
Menschen wird hier Abschied genommen. Wie im Gottesdienstraum fällt auch hier Licht
über ein Himmelsfenster die mit Kreuz behangene Wand herunter. Umgeben von
gebürsteten Holzwänden, sehr einfach, sehr klar, keine Ablenkung, Besinnung,
Einkehr in wärmender Ruhe.

So klar die Architektur wirkt, die Innenräume hell, einfach und flexibel
strukturiert, das raumumgebende weiß lasierte finnische Fichtenholz Wärme
vermittelt, so fein und monumental zugleich die Holzlamellen den Raumrücken
stärken, so störend wirkt leider das aus den alten Räumlichkeiten mitgebrachte
Mobiliar. Altar, Kanzel und Taufbecken sind klobig, die Bestuhlung ist lediglich
praktisch stapelbar – Fremdkörper. Aber davon abgesehen, ist es ein gelungener Ort zur inneren Einkehr und für ein aufgeschlossenes Gemeindeleben mit Bezug zum Stadtteilgeschehen.

Architekten Sauerbruch Hutton, beschränkter Wettbewerb 2009
Bauherr Ev. Brückenschlaggemeinde
Köln-Flittard/Stammheim
Bauzeit 1 Jahr
Baukosten 3,7 Millionen
Bruttogeschossfläche 880 m²
Nachtrag: Deutscher Architektur Preis 2015 und Video des WDR

Wart Ihr schon hier?
Nachtrag: Ja + ich bin begeistert, wie man hier lesen kann!


Liebe Grüße 🙂 Eure Minza

13 Kommentare

  1. sehr spannendes gebäude, vielen dank für den interessanten rundgang! ungewöhnlich unbunt für das büro. das viele holz gefällt mir sehr, am besten die gebürsteten oberflächen in der kapelle. schlicht und ergreifend. schöne grüße, wiebke

  2. Schön, dass hier auch mit dem Lichteinfall gespielt wird. Ein wichtiges Element in alten Kirchen und selten zu finden in modernen. Gefällt mir sehr.
    Liebe Grüße
    Sonja

  3. Ein gelungener Kirchenbau der Gegenwart. Die Bestuhlung ist fragwürdig (schade), das habe ich schon vor Deinem Resümee gedacht. Ich liebe Exkursionen, danke für's mitnehmen und zeigen.
    Herzliche Grüße für Dich, Cora

  4. tolle Kirche in tollen Bildern festgehalten, nur leider das Mobiliar wirklich schrecklich.
    Ich war weder bisher dort noch in deinem hier.
    aber wer weiß….

  5. Du hast es ja nun schon gesagt, das Interieur ist doch eher unpassend. Vor allem diese Stuhlreihen, wie sie aus der Schulaula bekannt sind..nunja. Doch gleichzeitig muss auch ich mit erstmal an diese neue Form von Kirche gewöhnen, zumal ich doch einiges bei einem Hausbau auch in alltäglichen Wohnräumen sehr ähnlich lebenswert finden würde.
    Schön, dass du wieder da bist :)♥

  6. gefällt mir sehr!! danke für den rundgang!
    dir noch ein tolles neues jahr voll mit schönen überraschungen und begegnungen!
    liebe grüße, mano

  7. Toll, dass es eben immer häufiger auch so schöne und durchdachte moderne Kunstwerke-Häuser gibt. Das gefällt mir sehr, obwohl ich doch normalerweise so auf alt stehe. 🙂
    Die noch verspätet ein wunderbares, erfülltes, buntes neues Jahr!
    Liebste Grüße, Eva

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