Feldkapelle von Peter Zumthor

Hart und aneckend steht das 12 Meter hohe, im Grundriss fünfeckige monolithische Bauwerk aus Beton inmitten von Feldern. Schritt für Schritt, sich annähernd, wird erst bei näherer Betrachtung deutlich, dass es sich um ein geweihtes Gotteshaus handelt, ein schlichtes Kreuz über der Tür weist auf die
sakrale Bedeutung hin. 
Von 2005-2007 wurde die Kapelle mit vielen ehrenamtlichen Helfern und Fachhandwerkern gebaut. Für den Bau wurden 112
Baumstämme aus dem Wald von Bad Münstereifel zeltartig
zusammengefügt, von außen geschalt und der Zwischenraum in Schichten mit Stampfbeton gefüllt. Drei Wochen köhlerten die Bauherren Scheidtweiler und
ihre Helfer das Bauwerk aus, das
immer noch ein wenig am Geruch (eingebildet!?) und besonders an der Farbstruktur im
Inneren
ablesbar ist. Ausgelassen ist der obere Abschluss, durch den neben Licht auch Regen einfällt und sich auf dem unebenen
Boden sammelt. Der Boden ist aus einem Blei-Zinngemisch (Bezug → Bleiberg-Stadt
Mechernich) und wurde an Ort und Stelle erhitzt und gegossen. Zusätzlich fällt stimmungsvoll Licht über etwa 300 in die Wände eingesetzte Röhren, im Inneren mit aufgesetzten mundgeblasenen Glashalbkugeln ein. Alle vier Elemente (Feuer, Wasser, Erde, Luft) sind vertreten.

Durch die dreieckige Metalltür gegangen, weitet sich der Raum, der sich von außen nicht annähernd erahnen lässt. Ich hebe automatisch den Blick gen Himmel und fühle mich inmitten der groben
Struktur und den im Kontrast dazu stehenden feinen runden eingesetzten Lichtglaskugeln mit Bezug zum Außen, dem warmen Licht und Honigduft der Kerzen, in dem sich nach oben verjüngenden zelt-/höhlenartigen Raum geborgen. 

Im Innern verstummt der Wind, im Sommer bei sengender Hitze muss es wohltuend kühl sein, bei tosendem Regen und Wolkenbildern muss die Kubatur inmitten der sanften Feldhügel eine wieder besondere Wirkung haben. Ich muss also nochmal hin!

Weil ich die Geschichte, wie es zu dieser Kapelle kam, so schön finde … muss ich sie auch noch schnell erzählen (wenn Ihr sie nicht schon kennt!?).

Als der weltweit renommierte schweizer Architekt Peter Zumthor (*26. April 1943 in Basel) das Kölner Diözesanmuseum baute
(Kolumba), schrieben ihm die Landwirte Scheidtweiler einen Brief. Sie baten ihn eine
Kapelle zu entwerfen um diese Bruder Klaus zu widmen, der Ihnen persönlich von hoher Bedeutung ist. Bruder Klaus, Heiliger Nikolaus von der Flüe,
Schutzpatron der Katholischen Landjugendbewegung, 1417-1487, heilig gesprochen 1947. Ungewöhnliche Herangehensweise, aber Bruder Klaus, auch Schweizer, war auch Lieblingsheiliger von Zumthors Mutter. Über
diese Verbundenheit entstanden ein persönlicher Kontakt und dieses einzigartige
Bauprojekt für das Zumthor auf sein Honorar verzichtete.

Schön, nicht wahr?
Mit Ka und We war ich/Em letzten Sonntag auf dem Feld. Und da kann ich noch viel lernen in Sachen meiner Knipserei und seiner Fotografie → La Lumière du Loup
Liebe Grüße . Eure Minza
Infos zur Kapelle:

• Öffnungszeit 
Sommer 10 – 17 Uhr, Winter 10 – 16 Uhr
montags geschlossen, außer an kirchlichen Feiertagen


• Besucherparkplatz
Iversheimer Straße, 53894 Mechernich-Wachendorf
Der kurze Fußweg zur Kapelle ist ausgeschildert

13 Kommentare

  1. 112 Baumstämme, gestampfter Beton beeindruckend schön die hinterlassenenen Strukturen. Eine geheimnisvolle Lichtatmosphäre, die ich unbedingt erleben will – danke für die Schilderung. Lieben Gruß zu Dir Iris

  2. Wunderbar authentisch geschrieben. Da schlägt mein Eifel-Herz direkt ein paar Takte schneller.
    Wenn Dich Dein Weg wieder in die Eifel führt, komm vorbei Du bist herzlich willkommen. Liebste Grüße Bianca

  3. Liebe Maren, ich finde deine Bilder sind toll. Die Bauweise der Kapelle ist unglaublich – dass man einen Raum ausköhlert habe ich noch nie gehört und die dadurch entstandenen Strukturen sind unglaublich. Jetzt muss ich wohl auch mal in die Eifel.

    Herzlich, Katja

  4. Oh, ich liebe Peter Zumthor!
    Warst du schon 'mal in der Therme Vals in der Schweiz? Auf alle Fälle auch einen Besuch wert 😉
    Uuund solltest du tatsächlich dort mal hinkommen, dann musst du uuunbedingt die Villa Vals angucken (http://www.villavals.ch/) oder sogar dort nächtigen – ohhhhhh, ich mag wieder dort hin 😉
    Tja, die Kapelle würd mich natürlich auch sehr reizen!
    Alles Liebe,
    Karin

    • Liebe Karin, noch war ich nicht in Vals, es steht natürlich schon lange auf meiner Wunschliste + danke Dir für den Link zur Villa Vals! Einige Fotos sind mir bekannt, aber ich wusste bislang nicht, wo es ist.

      Liebe Grüße!

  5. gerade heute habe ich mich mit einem bfreundeten architekten über zumthor und seine art zu arbeiten unterhalten … dieses projekt kannte ich noch nicht. vielen dank für die interessante geschichte dazu und deine schönen bilder (wieder ein ziel mehr auf der liste). schöne grüße, wiebke

  6. Ja, bin ich beeindruckt – Architektur kann sprechen, wenn sie gut ist. Peter Zumthor haucht Gebäuden Leben ein. Manchmal kommen mir die Tränen, wenn ich so etwa sehen und höre, so emotionsgeladen kann reduzierte Gestaltung sein. (ein ausgeköhlertes Bauwerk – toll)!
    Sehr schön, liebe Minza, alles (wie Du zu pflegen sagst)!
    Herzliche Grüße, Cora

  7. Danke fürs Mitnehmen. Da will ich schon so lange hin ( hab sogar eine Exkollegin dort wohnen…).Zumthor ist schon ein ganz besonderer Architekt, was wir ja hier in Köln auch immer feststellen & genießen können.
    Sonntagsgrüße!
    Astrid

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