Design und Verantwortung | Möbelmesse, Passagen 2019 und Influencer Marketing

Werbung ohne Auftrag | zur Meinungsbildung

Design hat mehr zu erfüllen als eine Augenweide zu sein und das Wirtschaftssystem anzukurbeln. In all den Posts und Storys aktuell zur Möbelmesse hier in Köln und den parallel laufenden Passagen/größte deutsche Interiordesignweek, sind neben meist immer gleichen Marken und Designs, kritische Auseinandersetzungen im Kontext von Verantwortung eine Randerscheinung. Anders als ich die Tendenzen bei Lebensmitteln oder in der Modewelt wahrnehme. Dabei ist es spannend und inhaltlich essenziell! Es geht um Lebensräume und Lebenswelten, von der Villa bis zum Jugendknast, vom eifrigen Vertriebler bis zum Baumwollbauern, vom Überfluss bis zum Bedarf, vom Klimaschutz bis zur sozialen Fairness.

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Influenzer

Die Interiorblogger- und Instagramwelt ist voll von Menschen mit feinem Gespür für das Schöne, der Fähigkeit es perfekt einzufangen, gute Texte zu schreiben, Aufmerksamkeit zu gewinnen und eine Marke zu kreieren. Und es macht mich beizeiten stinkwütend, diese Gaben in Verbindung mit Greenwashing und plumper Verarsche zu sehen, instrumentalisiert für den blinden Profit auf Kosten von Menschen und Natur. Mitunter bewusst hingenommen und damit befördert, hauptsache es dient dem eigenen Erfolg nach Zahlen und Ruhm. Influencer-Marketing als Drahtzieher auf Kuschelkurs mit VIP-Eventeinladung, Goodiebag und Rabattcode – “weil du es bist“ und im schlechten, sehr üblichen Fall, auf der vermeintlichen Beziehungsebene als sachdienlicher Deckmantel “weil du dich so herrlich unkritisch instrumentalisieren lässt”. Denn für zu viele ist das Maximum der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Verantwortung ein ‘Ja, ich weiß, aber.’ und für viel zu viele ein ‘Jeder wie er mag.’. Wo diese falsch verstandene und deplazierte Toleranz hinführt – die Quittung sehen wir! Ich erwarte keine ethische Einwandfreiheit von jetzt auf gleich (unrealtistisch und nicht lösungsorientiert), ich wünsche mir mehr Auseinandersetzung, Bewusstseinsförderung, Meinungsbildung, Haltung und Veränderungswillen.

Ich wünsche mir von Interiorblogger- und Instagramer*innen mehr Verantwortungsbewusstsein statt blinden Herdentrieb; Wertschätzung der eigenen Fähigkeiten, sie nicht für destruktive Wirstchaftsphilosophien zu verkaufen, sondern einzusetzen, wo sie entsprechend ihrer Qualität Gutes bewirken.

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Design und Verantwortung

Die Rückmeldungen zu meinen Passagen-Storys zeigen (sie sind teils in meinen Instagram-Highlights gespeichert), viele fanden wie ich die Fragen eines Vortrags am Passagen-Montag interessant:

1. Wie wird Komplexität der ökologischen Nachhaltigkeit und Konsumkritik über das Design erkannt?
Beispiel: Saatgutkonfetti. Das Produkt vereint eine Vielzahl von Funktionen: Spaß, Bildung, Förderung der Insektenpopulation, etc.

2. Wie sieht Design aus, wenn es Komplexität nicht maskiert, sondern kommuniziert?
Beispiel: Memojis/Animojis, die über Gesichtserkennung die Funktion verniedlichen und zum Spiel anregen. So positiv konnotiert und je weniger kritisch betrachtet, greifen sie umso leichter soziale Werte massivst an (Bsp. China).

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Mit Birke gefärbtes Textil.

Maßgeblichkeit

Einige Rückmeldungen zur Ausstellung, in der Lebenswelten mit dem Hintergrund von Flucht gezeigt werden, trafen genau meinen Nerv: Die Lebenswelt in der Heimat und Wohnräume als Geflüchteter im Ausland. Die Wirkung von Begrenzung, räumlich und psychisch. Diese Themen gehören in die Passagenwelt.

Zu einem gelungenen Entwurf, gehört der Einbezug von Natur, aus der wir schöpfen und der wir geben. Dazu gehört der Mensch, mit kognitiven und emotionalen Fähigkeiten und dem Versagen, Kultur und Geschichte, Sehnsüchte und Ängste, Lebensgestaltung und Raum, Leichtigkeit des Oberflächlichen und das existenzielle Schutzbedürfnis. Zu jedem dieser Worte schwirrt in meinem Kopf ein Roman. Aber kurz: All das ist maßgeblich für eine gelungene Architektur, ein funktionierendes Interiordesign, Produktdesign, Kommuniaktionsdesign, etc.

Design trägt Verantwortung!

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2 Kommentare

  1. Ich muss sagen dieser Blogpost hat mir wirklich gefesselt. Es ist interessant, dass man Design in so vielen Aspekten mit Nachhaltigkeit verbinden kann. Das stellt das Wort Design in einen ganz anderen Kontext, als den an den man denken würde, wenn man an Designer-Möbel denkt.

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