Dein nachhaltiger Kleiderschrank | Mode und Umweltschutz

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Die Auswirkungen der Modeindustrie auf die Umwelt sind radikal und bedürfen einer Reformation. Ein nachhaltiger Kleiderschrank ist ein Beitrag von vielen den wir leisten können. Hier kommen die Tipps zur Umsetzung!

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Übersicht und Pflege

  1. Übersicht behalten durch Ausmisten: Was trage ich noch? Worin fühle ich mich wohl, worin nicht? Was kann weg?
    Capsule Wardrobe – Für manche ist das Prinzip der minimalistischen Garderobe mit 37 Kleidungsstücken was, andere haben einen größeren übersichtlichen Fundus. Nichts von beidem ist m.E. nachhaltig betrachtet besser/schlechter, von Bedeutung ist es, das eigene gute Maß zu finden und die Nutzungsdauer der Kleidungsstücke auszuschöpfen.

    Marie Kondo ist mit Ihrer bekannt gewordenen Methode zum Aufräumen für viele eine wertvolle Unterstützung – gut. Die Methode zielt nicht auf eine  Bewusstseinsänderung des Konsumverhaltens ab, ich meine fast im Gegenteil – Kaufen, Aufräumen, Entsorgen als Glücksformel. Wertvoll, wenn als Eigenleistung die Ursache betrachtet wird, statt einer Symptombehandlung in Dauerschleife. Diese fördert langfristig weder das eigene Wohlbefinden, noch global betrachtet sozial faire und ökologisch nachhaltige Ziele.
  2. Eine sinnvolle Sortierung z.B. nach Saison, Kategorie und der Kleidung entsprechender Aufbewahrung schafft Übersichtlichkeit. Ordentliches Falten, Legen und Hängen erspart Bügeln und ist eine Sache der Wertschätzung der Kleidung (verarbeitete Ressourcen, Arbeit von Menschen).
  3. Möglichst wenig waschen schont die Kleidung. Häufig hilft schon Lüften und wenn da mal ein Fleck ist – zeitnah per Hand auswaschen. 
  4. Pflegesymbole beachten und statt aggressive herkömmliche Waschmittel, Öko-Waschmittel, Kastanien oder Efeu nutzen. Zum Wäschewaschen sind in diesem Beitrag Tipps zur Wäsche mit Efeu und anderen ökologischen Helferlein (Behandlung von Flecken, Grauschleier, etc.).
  5. Wäschewaschen mit niedrigen Temperaturen spart Energie. Die Energiemenge einer 60-Grad-Wäsche reicht für drei Trommeln Wäsche mit 30 Grad.
  6. Kunstfaser-Textilien im speziellen Waschbeutel waschen (der Mikrofasern auffängt).
  7. Reparatur und Upcycling: Schuhe mit abgelaufenen Absätzen zum Schuster bringen. Knöpfe annähen oder Löcher flicken. Schneider:innen, Repaircafés, Repairstation bei Kleidertauschs helfen bei der Umsetzung oder dem Erlernen von Fertigkeiten.
  8. Möglichkeiten zur Verlängerung der Nutzungsdauer von ausgemisteten Sachen: Tauschen, Flohmarkt, Verkauf an Secondhand-Läden oder über Online-Verkaufsplattformen (möglichst ohne Versand, Einsparen von Verpackung, Emissionen, etc.), Spenden an karitative Einrichtungen und damit soziale Arbeit unterstützen.

Konsumverhalten

  1. Weniger kaufen, bewusstere Kaufentscheidungen fällen und dazu ruhig mal eine Nacht darüber schlafen (brauche ich das wirklich?).
  2. Von Rabattaktionen nicht zu mehr hinreißen lassen als gebraucht wird oder nachhaltig Freude bereitet.
  3. Einstellungssache: Alles zu teuer? Jedes Kleidungsstück entstand aus Ressourcen und Arbeit entlang der Produktionskette – es ist seinen Preis wert. Marken die z.b. 500% draufschlagen für den Markennamen mal ausgenommen (Bsp. T-Shirt für 400 €).
  4. Ein nachhaltiger Kleiderschrank zeichnet sich dadurch aus, zu nutzen was da ist und sinnvoll mit Kreativität zu ergänzen was zur vorhandenen Garderobe passt für maximale Kombinationsmöglichkeiten. Das kostet nicht mehr Geld – ganz im Gegenteil.
  5. Zeitlose wertige Designs sind eine gute Grundlage für modische und extravagante Lieblingsteile.

Buy less, choose well, make it last. 
Vivienne Westwood

Secondhand first

Nach dem Exkurs entlang einer kleinen Auswahl meiner Kleidergeschichten, die zu über 90% aus 2. Hand stammen, hier die möglichen Quellen des Textilglücks:

  1. Upcycling DIY: Aus Altem Neues kreieren. Inspiration → #refashion
  2. Das Image von Secondhand-Läden ist längst überholt: Die Textilien sind ausgewählt, Läden gepflegt, die Präsentation schafft schnelle Orientierung.
  3. Der Einkauf in Sozialkaufhäusern unterstützt deren soziale Arbeit, Bsp. in Köln BfO, Emmaus, Fairstores und anderswo. Jede:r ist dort zum ‘nachhaltigen Einkaufen’ aller Waren des Bedarfs willkommen (Kleidung, Möbel, Elektro, Hobby, …). Wir leben in solchen Massen, dass niemand Bedürftigen etwas wegnehmen kann (wie ich immer noch häufig als Annahme höre). Obdachlose z.B. bekommen Kleidung kostenfrei.
  4. Wer das Suchen und Finden liebt, ist auf dem Flohmarkt genau richtig.
  5. Wer nicht gerne stöbert, ist in Secondhandläden gut aufgehoben – sie stellen ihr Angebot nach Stil, Qualität und Marken zusammen und beraten professionell bei der Anprobe.
  6. Mit Lust auf stets neue Lieblingsteile – für den ist der kuratierte Kleiderverleih was, ein riesengroßer gemeinsamer nachhaltiger Kleiderschrank, in Köln und Freiburg die Kleiderei  – Stil hast du, Kleider leihst du.
  7. Online-Verkaufsplattformen: lokal kaufen/abholen, Versand meiden (CO²-Emissionen, Reifenabrieb/Mikroplastik, Verpackungsmüll, etc.).
  8. Tauschen mit Freund:innen, Kleidertauschevents besuchen oder selbst organisieren (hier sind Tipps zur Planung und Durchführung). Greenpeace listet deutschlandweit alle Kleidertauschs die bei ihnen gemeldet werden. In Köln gibt es ganzjährig das stete Angebot des „Öko Loops“ im IGLU von kiss the inuit. Dort wird 1:1 Fair Fashion gegen Fair Fashion getauscht.

Öko-faire Mode 

  1. Ein nachhaltiger Kleiderschrank zeichnet sich nicht durch den gleichen Massenkonsum in ‘grün’ aus, auch öko-faire Mode verbraucht Ressourcen.
  2. Auf Siegel zu achten für die Einhaltung von Menschenrecht und Umweltschutz ist ein erster (!) hilfreicher Hinweis, aber kein Siegel deckt alle Parameter der Nachhaltigkeit ab. So kann z.B. ein Material super sein (zack – Siegel drauf), aber umweltschädliche chemische Zusätze etc. kippen die Öko-Bilanz und die Verarbeitung erfolgt ggf. unter menschenunwürdigen Bedingungen, was (ich neige hier zur Verallgemeinerung) ‘nie’ offen kommuniziert wird. Der staatlich eingeführte „Grüne Knopf“ ist mehr Farce als Lösung  – siehe Kommentar. Greenpeace und FemNet informieren über die verschiedenen Siegel.
  3. Naturmaterialien bevorzugen: z.B. Leinen oder Hanf, möglichst kein Mischgewebe (Recyclingfähigkeit) .
  4. Materialalternativen: recycelte Materialien, ökologisch nachhaltige Fasern auf Holzbasis wie z.B. Lyocell® / Tencel®. Achtung: auch recycelte Kunststoffe geben beim Waschen Fasern ab (Mikroplastik in Gewässern) und manch ökologische Faser kommt in der Herstellung nicht ohne schädliche Chemiebeigaben aus.
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Demo angemeldet zur Fashion Revolution 2019 – der harte Kern zum Schluss. ♡ Mach das auch, geht ganz einfach!

Und was lässt sich außerdem machen?

  1. Aktivismus – ein nachhaltiger Kleiderschrank für alle!
  2. Missionieren ist ätzend, (vor-) leben gut! 
  3. Petitionen unterzeichnen (aktuell u.a. für die Einführung des Lieferkettengesetzes), Demos besuchen und initiieren, Aktionen und Veranstaltungen mit Wissensvermittlung und Austausch planen, Social Media aktiv dafür nutzen
  4. Zusammenschluss mit anderen gleicher Motivation. Wissen hinzugewinnen und teilen, z.B. bei den FairQuatschen-Treffen von FemNet in Köln und Bonn. 

Es ist besser, unvollkommen zu beginnen, als perfekt zu zögern. 
Bodo Schäfer

Ein nachhaltiger Kleiderschrank ist ein Prozess. Es geht um Wertschätzung der Natur, die für Mode nutzbaren natürlichen Ressourcen, der Arbeit von Menschen entlang der Produktionsketten vom Anbau, dem Design über die Fertigung und den Vertrieb. Und es geht um die eigene Seelenhygiene im Umgang mit Mode, Umweltschutz und Gerechtigkeit – für den Spaß an Mode ohne schlechtes Gewissen.

Liebe Grüße . Maren

3 Kommentare

  1. Ein sehr guter Beitrag und Fakten, die jeder berücksichtigen kann und sollte.
    Ich nutze die jetzige stay-at-home-Phase zum Ausmisten, Sortieren und vor allem kaufe ich nichts Neues mehr zum Anziehen. Und das Beste daran: mir fehlt nichts.
    Was auch hilft, die Kleidung saisonal wegzupacken. Ich freue mich immer nach einem halben Jahr die “alten” Blusen und T-Shirts aus dem letzten Sommer wiederzusehen.

    Frau Schmitz

    • Minza will Sommer

      Danke Dir!
      Ohja, Ausmisten in dieser Phase ist eine der beliebtesten Tätigkeiten und Deine Erkenntnis wünsche ich ganz vielen. : )

  2. Pingback: Lebensmittel ökologisch und fair | 4 Tipps zum Bezug für jeden Geldbeutel | MINZA WILL SOMMER

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